“I’m bored #hiTsunami” – Wie man sich in Echtzeit über einen Tsunami langweilen kann…

“I’m bored #hiTsunami” – Wie man sich in Echtzeit über einen Tsunami langweilen kann…

February 28, 2010 12:26 am 0 comments

Große Ereignisse und Katastrophen zeigen sowohl die “dunkle”, als auch “gute” Seite an uns Menschen, an Institutionen und jetzt auch an Socialen Netzwerken, wie Twitter, Facebook etc. An dem Erdbeben der Stärke 8.8 in Chile und die darauffolgende Tsunami Warnung konnte man das sehr schön mitverfolgen:

Die Chronologie:

Nachdem um ca. 10 Uhr Vormittag die ersten Meldungen zum Erdbeben in Chile über Twitter (Ich las es zuerst über einen Mashable Tweet) reinkamen, schaute ich gleich auf diverse österreichische Newsportale, wie standard.at, kurier usw. Die zuerst recht dünnen Meldungen, wurden nach und nach ausgebaut.

Im Fernsehen (außer Teletext) gab es keinerlei Infos. Auch hier ein klassisches Beispiel, wie sich der Informationsfluß bei mir geändert hat: Seit ich ein Smartphone (HTC Hero) besitze, erfahre ich Nachrichten:

  • wesentlich schneller und
  • nicht mehr über klassische Medien (Fernsehen – sprich Teletext, Radio und Print sowieso nicht)
  • und eigentlich auch kaum mehr über Newsportale, wie Standard.at, ORF. at usw.

Nachdem verherrenden Erdbeben kam es zu Tsunami Warnungen im gesamten Pazifikraum, speziell für Hawaii, Neuseeland und vielen anderen, kleineren Inselgruppen. Weil der Tsunami in Thailand 2004, mit seinen medienwirksamen (äh schrecklichen) Bildern noch im den Köpfen der Menschen war,  konnte man natürlich wunderbar eine große Spannung aufbauen, sowohl im Internet, als auch zu Hause vor den Fernsehern (Stichwort Breakingnews Trailer). Schnell war Chile vergessen (Es gab  ja immerhin schon vor ein paar Wochen das Haiti Erdbeben…) und alles wartete, dass die Tsunamiwelle (endlich) Hawaii erreicht.

Gleichzeit CNN zu sehen und auf Twitter Hashtags, wie #hitsunami etc. zu folgen und auf den Minute X zu warten, hatte natürlich auch für mich etwas Beängstigendes, Abstossendes, aber auch Faszinierendes und völlig Neues an sich.

“Leider” – wie man den CNN Reportern fast anhören konnte, und der immer größer werdenden Zahl an “I’m bored” Tweets auf Twitter, kam es zum vorhergesagten Zeitpunkt zu keiner 20m hohen Schockwelle, die alles zerstörte. Blöd. Das Realtime Internet ist zwar in Echtzeit, aber die Leute langweilen sich auch in Echtzeit wieder… Obwohl einem der Hausverstand (Danke Billa :/) sagen müsste “Sei froh, dass es keine meterhohen Wellen gab und ein Erdbeben der Stärke 8.8 ist eigentlich genug für einen Tag”. Eigentlich unglaublich.

Hier ein paar Beispiele, wie diverse Medien und Seiten darauf reagierten:

Medien und das Chile Erdbeben &Tsunami Warnung:

Soziale Netzwerke, z.B. Twitter:

Twitter ist schnell, sehr schnell. Positiv daran ist: die Geschwindigkeit mit der man Menschen helfen und warnen kann, die Möglichkeit zu Spenden- und Hilferufen (z.B. nach vermissten Verwandten) zu tweeten.  Leider  gibt es natürlich auch einige Schattenseiten (siehe Screenshots):

Twitter Hitsunami Bored

Traurig aber wahr: Die “Blödler” aka Hirnlosen Dumpfbacken.

Twitter HiTsunami, Earthquake Spamwarnungen

Großereignissen werden natürlich auch zur Trafficgenerierung und für die Verbreitung von Spam und Malware genutzt.

Twitter Donate und Help

Natürlich kann man das Real-Time Internet auch positiv nutzen -  siehe Iran, oder wie auch dieser Twitter User – Gerry aka Biodome10, der über Twitter (wenn kein Fake) Hilfe rufen konnte:

Twitter Account Gerry Biodome10

Google:

Google hat, wie schon bei der Haiti Katastrophe, innerhalb kürzester Zeit eine eigene Website online, wo man aktiv nach Vermissten suchen konnte und schnell Informationen bekam. Top! Auch Twitter hat Ähnliches zu bieten: http://mashable.com/2010/02/27/twitter-missing-person-chile/

Google Help Site nach Chile Erdbeben

Ustream:

Ustream Hawaii Tsunami Livestream

Ustream ist die perfekte Mischung aus Live Video Streams und Sozialen Netzwerken.

CNN & Co

CNN brachte natürlich ihre typischen geteilten Darstellungen mit Interviews, Live Cams und Breaknews Trailern bzw. ewig langem Geschwaffel (“leider” kam ja die Tsunami Welle nicht pünktlich, wie angekündigt). Eher peinlich: Ein älterer Reporter, der Skype mehrmals als “new technologie” lobte, die man jetzt einsetzt (Ähnlich peinlich, wie die ORF Reporter, die ständig ihre eigenen Kameraeinstellung loben #ORFSport)

Interessant: Nach einer Weile (Je näher die Tsunami Welle Hawaii kam) gab es so gut wie keine Infos mehr zu Chile selbst.

ORF, ZDF etc. – deutschsprachiger Raum:

Im deutschsprachigen Raum konnte man zwischen den (langweiligen) Olympischen Winterspielen (die außer Familienangehörigen niemand interessieren dürfte) und noch langweiligeren Wetten-dass Wetten mit einem offensichtlich farbenblinden Gottschalk  wählen. Es gab weder Einblendungen noch sonstige Infos.

Fazit:

Hier zeigt sich wieder, dass klassische Medien tot, zu langsam und träge sind.

Social Networks sind nicht “gut”, perfekt oder demokratisch, aber die Geschwindigkeit und Interaktion ist enorm. Natürlich werden immer die gleichen Meldungen von Opinonleadern nachgetweetet, natürlich gibt es “Unfall-Gaffer”, Menschen, die sich lustig machen, die solche Ereignisse für Spam etc. zu ihrem eigenen Nutzen verwenden. Das wird es immer geben, egal ob im Internet oder Real Life. Das ist leider menschlich.

Aber klassische Medien werden es sehr schwer haben, wenn sie nur mal so nebenbei über Facebook berichten, als wäre es ein lustiger, aber obsuker Zirkus, der bald wieder verschwindet. Amerikanische Sender bzw. auch Privatsender hier in Österreich, versuchen immer mehr Fernsehen und Internet zu verschmelzen, indem sie z.B. Tweets einblenden oder sogar aktiv zur Live Kommunikation nutzen. Das staatliche Fernsehen (ORF und CO)  oder Zeitungen sind hier viel zu langsam und träge.

Faszinierend (aus der Sicht der Bedeutung von  Sozialen Medien)  für mich, war das gleichzeitigige Verfolgen auf Twitter und CNN und das Warten auf  das  “Ereignis”. Ein Thriller hoch 10. Faszinieren und traurig zu gleich, war das schnelle “sich langweilen” der Twitter User, weil leider keine 20 Meter Hohe Welle zum angekündigten Zeitpunkt eintraf…

Schneller noch als Twitter, waren natürlich die Schaltung der Werbeblöcke von diversen Hilfsorganisationen…

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